Testbericht Liv Intrigue X E+

Jenny hat auf steilen Trails das neue e-MTB auf Herz und Nieren geprüft

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Gibt es einen Unterschied zwischen “Das Bike passt mir” und “Das Bike passt zu mir”? Ja, den gibt es. Aber ihr werdet ihn erst erleben, wenn ihr auf einem Bike sitzt, das perfekt zu euren Körpermaßen passt. Dies ist das Erfolgsrezept hinter dem Intrigue X E+ von Liv. Das X steht auch für 29” Laufräder und setzt damit die Erfolgsgeschichte definitiv fort. In unserer Bikevorstellung sind wir bereits auf die technischen Neuerungen eingegangen, doch wie schlägt sich das e-Mountainbike in der Praxis? Jenny hat es für uns getestet:

Das Intrigue X E+ in der Praxis

Der leistungsstarke SyncDrive Pro Motor bietet mit 80 Nm, bis 360 Prozent Unterstützung und fünf Unterstützungsstufen enorme Power. Der wirklich gut funktionierende Automatikmodus (Smart Assist) und 625 Wh Akku runden die Ausstattung ab. Was sollte in Sachen Leistung und Strecke nicht möglich sein mit diesem e-MTB? Und es stimmt: Der Motor hat die Kraft, euch die steilsten Anstiege zu meisten und in den unteren Unterstützungsstufen könnt ihr euch selbst herausfordern.

Kann man je zu viel Reichweite haben?

Der Automatikmodus verdoppelt das Gefühl von Freiheit auf dem Trail: Ihr müsst euch um nichts anderes als euch selbst, die Strecke und das Bike kümmern. Der große Akku in Kombi mit dem tatsächlich recht effizienten Motor braucht etliche Kilo- und Höhenmeter, bis man überhaupt erst in die Nähe der halben Kapazität gelangt. Klar, “mehr Akku geht immer”. Auch wenn für mich die Grenze irgendwann erreicht ist, hat Liv auch für die “es-gibt-nicht-zu-viel-Akku”-Anhänger vorgesorgt. Mit einem Range Extender – einem Zusatzakku – der noch einmal 250 Wh oben drauf packt und lässig im Getränkehalter auf dem Unterrohr platziert wird.

Remote statt Display

Das Cockpit, das über kein Display, sondern ausschließlich über eine Bedieneinheit verfügt, ist gewohnt clean. Die Remote besteht aus zwei Reihen LEDs, die Infos zur Unterstützungsstufe und der Akkukapazität geben. Über zwei großen Tasten werden die Unterstützungsstufen gewechselt, die Schiebehilfe eingeschaltet und der Automatikmodus aktiviert. Die Bedienung ist einfach und intuitiv. Zwar sind die großen Tasten optisch kein Highlight, dafür aber nicht zu verfehlen – auch wenn die Strecke es nicht erlaubt, den Blick vom Weg zu nehmen.

Liv Intrigue X E+ 2021 Remote

Die Geometrie macht den Unterschied

Die Sitzposition ist noch immer wie geschaffen für richtig Spaß im Wald. Ich sitze sehr zentral im Bike und habe durch den etwas geringeren Reach die Freiheit, auch mal frontlastiger zu fahren ohne den optimalen Schwerpunkt zu gefährden. Der breite Lenker vermittelt als Sahnehäubchen mehr Kontrolle und nach wenigen Ausfahrten stellt sich wieder eine Denk-Reaktions-Abfolge ein. Das Liv Intrigue X E+ reagiert ohne Verzögerung auf meine Befehle, präzise und schnell. Ich habe teilweise das Gefühl, der Gedanke allein reicht schon aus, um das Allmountain e-MTB leicht zu neigen oder von mir zu schieben. Das ist wirklich Spaß pur!

Was kann ich mit dem Intrigue X E+ alles fahren?

Die Summe aus Konzept, Parts und Geometrie macht aus dem Intrigue X E+ ein zuverlässiges und vielseitiges e-Mountainbike. Auf gediegenen Touren mit entspannten Rollabschnitten ist das Frauen e-MTB in niedrigen Unterstützungsstufen ein klasse Sportgerät. Auf anspruchsvollen und verwinkelten Trails mit Adrenalin fördernden Elementen (wie Spitzkehren, Stufen und kniffligen Schrägfahrten) zeigt das Bike dann aber sein wahres Können. Es ist reaktionsstark und durchaus in der Lage den ein oder anderen Fahrfehler zu verzeihen.

Intrigue X E+ in der Praxis: machen 29” einen Unterschied?

In all diesen unterschiedlichen Situationen zeigen sich dann auch die Unterschiede der größeren 29” zu den 27,5” Laufrädern. Eigentlich war ich immer ein Fan der kleineren, agilen Reifen, die mir ein Plus an Manövrierbarkeit und Dynamik versprachen. Sind wir mal ehrlich: Natürlich komme ich auch auf Twentyninern durch eine technisch anspruchsvolle Spitzkehre, wenn ich über die nötige Fahrtechnik verfüge. Ich fahre gerne und viel und habe selten mit Angst zu kämpfen, egal wie steil und verblockt der Trail auch ist. Durch Mut und sicherlich auch ein wenig Glück gleiche ich so bestimmt häufig fehlende Fahrtechniken aus. Trotzdem wäre ich nie freiwillig auf 29” Laufräder gewechselt, aus Sorge, dass ich mich mit größeren Rädern schlechter durch knifflige Stellen manövrieren könnte.

Ich wurde eines besseren belehrt:
Auch hier war das Intrigue X E+ (wieder mal) eine ausgezeichnete Lehrerin! Schon auf den ersten Ausfahrten habe ich die Vorteile der 29er Maxxis (vorne: Assegai; hinten: Dissector; 2,6” Breite) spüren können. Auch auf ausgetretenen Pfaden mit Wurzeln und Baumstümpfen bin ich schneller gefahren als zuvor – ohne auch nur einen Moment weniger Kontrolle über das Bike zu haben. Auf steilen Trails allerdings, auf denen meine volle Aufmerksamkeit der einzig fahrbaren Linie galt, hat das Bike im Vergleich zur Vorgängerin mit 27,5” nichts an Agilität eingebüßt. Im Gegenteil: Es fällt mir schwer es zu beschreiben, aber irgendwie fiel es mir leichter, das Intrigue X E+ im letzten Moment doch noch auf die richtige Spur zu drücken oder meinen zuvor gemachten Fehler noch schnell zu korrigieren. Es stimmt in der tat: Die großen Laufräder machen das Bike noch einmal gutmütiger.

Die Ausstattung konsequent zu Ende gedacht

Was bleibt mir noch zu sagen? Ich möchte nicht weit ausholen um über technische Erläuterungen zu beschreiben, was auch in zwei Sätzen auf den Punkt gebracht ist: Denn an der weiteren Ausstattung am Topmodell Liv Intrigue X E+ 1 gab es nichts zu beanstanden. Die Funktion von Fox 36 Float Performance Elite Gabel und Fox Float DPX2 Performance EVOL Dämpfer sind (wie es sich für Produkte dieser Qualitätsstufe gehört) ein Traum.


Die Shimano Bremsen haben mich nicht einmal enttäuscht oder im Stich gelassen, waren präzise zu dosieren und durchzugsstark, wenn es darauf ankam. Die 12-Gang Shimano XTR M9100 Shadow Plus Schaltung hat den Test ebenfalls mit Bravour bestanden und selbst mit einer Unterstützungsstufe weniger, hätte mir die Übersetzungsbandbreite wahrscheinlich immer noch genügt!
Ich fand es etwas schade, dass ich in der Rahmenhöhe S zwar einen Getränkehalter auf das Unterrohr bekam, aber eine Standard 0,75 l Trinkflasche zu groß für das Rahmendreieck war. Alles jedoch keine Tragödie. Apropos Platz im Rahmendreieck: Der Range Extender, der kürzer ausfällt als eine Trinkflasche, passt laut Liv allerdings schon in das Dreieck, auch in der Rahmengröße XS (wir haben extra nachgefragt).

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