Erfahrungsbericht: Pendeln auf dem Specialized Turbo Vado SL

Teil 2: Wie gestaltet sich der tägliche Weg auf meinem neuen e-Bike?

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Den Entschluss zu fassen, den täglichen Arbeitsweg auf zwei Rädern – und zwar zwei motorisierten Rädern, also dem e-Bike – zurückzulegen, ist lediglich der erste Schritt auf dem Weg zu einem aktiveren, gesünderen und nachhaltigeren Leben. Der zweite und sehr entscheidende Schritt ist die Wahl des richtigen e-Bikes. Schließlich hat man als zukünftiger e-Bike Pendler sehr individuelle Bedürfnisse: Streckenlänge, Topographie, sportlicher Anspruch, Sitzposition, Ausstattung und nicht zuletzt auch die Optik des e-Bikes sind nur ein paar Punkte von vielen, über die ich mir im Vorfeld viele Gedanken gemacht habe und durch die ich schlussendlich beim Vado SL von Specialized gelandet bin.
Warum mich dieses Bike-Konzept überzeugt hat, habe ich im vorherigen Beitrag erklärt. Heute nehme ich euch mit in Phase drei meiner Metamorphose: die ersten Fahrten, die ersten Pendler-Erfahrungen und die ersten Eindrücke zum Vado SL aus der Praxis!

Die erste Pendlerfahrt mit dem Vado SL

Das Wetter war perfekt! Motivierender Sonnenschein, ein klarer Himmel und eine leicht kühlende Brise, die mich begrüßte, als ich mit dem Vado SL auf der Schulter aus der Haustür getreten bin. Das e-Bike war bereit und ich war es auch: Ich hatte mir ausreichend Zeitpuffer eingeplant, der 320 Wh Akku im Vado SL war vollgeladen, Google Maps per Handyhalterung am Lenker eingeschaltet und zusätzlich die Mission Control App von Specialized auf dem Smartphone. Mit dieser kann ich meine Fahrdaten während der Fahrt überwachen und für spätere Vergleiche aufnehmen. Sportliche Schuhe, bequeme Klamotten und Helm am Körper sowie Laptop und Wechselklamotten im Rucksack. Also los!

Erste Entscheidung: nasser Rücken statt schweres e-Bike!

Die erste Erkenntnis: Der Rucksack ist bei sportlichen Fahrten nicht wirklich optimal, denn bereits nach 20 Minuten ist mein Rücken klitschnass – wären Packtaschen die bessere Wahl gewesen? Schließlich hatte ich das Vado SL ja extra in der EQP-Version, also mit Schutzblechen, Gepäckträger und Licht gewählt. Ich greife voraus und kann für mich persönlich sagen: Nein. Denn ich habe das Vado SL oft Treppen hoch und runter getragen und durch das geringe Eigengewicht des e-Bikes in Kombination mit meiner geringen Körpergröße, ist die Gewichtsverteilung beim Tragen mit prall gefüllte Packtaschen recht hecklastig. Ich entscheide, dass mir ein nasser Rücken lieber ist.

Zwar erlaubt der Gepäckträger das Anbringen von Satteltaschen, für den Arbeitsweg entscheide ich mich aber für den Rucksack um das geringe Gewicht des Active e-Bikes beim Treppensteigen voll auszukosten.

Bestzeit möglich? Wie Reifen und Motor die Geschwindigkeit beeinflussen

Vor mir liegen über 20 Kilometer Stadtverkehr, bewusst nehme ich kleine Umwege in Kauf, um von den Hauptverkehrsstraßen auf kleine Seitenwege oder Parks auszuweichen. Das Navi berechnet eine Fahrzeit von 1:15 Stunde und natürlich ist mein Anspruch diese Zeit zu unterbieten. In der ersten Unterstützungsstufe trete ich kraftvoll in die Pedale und schnell zeigen sich entscheidende Unterschiede zu meinem e-MTB. Durch die schmalen Reifen und den steifen Rahmen ist das Vado SL wahnsinnig schnell auf Fahrgeschwindigkeit und erst nach ein paar 100 Metern merke ich, dass ich die 25 km/h längst überschritten habe. Aber ich habe Energie und Motivation und strample mit gleicher Kraft weiter, was mir durch den kaum spürbaren Motorwiderstand nicht schwer fällt. Erleichtert stelle ich aber auch fest, dass die schmalen Reifen meinen “Umwegen” durch Parks – was Schotter- und leichte Forstwege bedeutet – nicht im Wege stehen!

Ein ungewohntes Fahrgefühl: Wie robust ist das Vado SL in der Praxis?

Das Vado SL ist am Heck ungefedert, lediglich eine Feder im Steuerrohr (dem Rahmenteil zwischen Gabelschaft und Lenkervorbau), die Future Shock, dämpft die gröbsten Unebenheiten heraus und bietet den Handgelenken etwas Schonung. Aber genau diese Steifigkeit ist zunächst seltsam für mich, schließlich fahre ich sonst ein vollgefedertes e-Mountainbike mit extra breiten Reifen. Und ich habe auf meinen ersten Fahrten tatsächlich ein wenig Angst, etwas am Rad kaputt zu machen und bin bei Schlaglöchern, Kopfsteinpflaster oder gar Bordsteinen extrem vorsichtig, bremse ab und lasse das Vado SL sanft über die Unebenheit gleiten. Aber nach und nach habe ich mich an diesen für mich neuen e-Bike Typen gewöhnt, die Angst verschwindet und ich lerne, dass weder Unebenheiten noch Bordsteine mich und das Vado SL aufhalten können!

Geometrie: Irgendwo zwischen Trekking e-Bike und Rennrad

An die neue Haltung auf dem Bike muss ich mich allerdings nicht gewöhnen, die leicht sportlich nach vorne geneigte Sitzposition ist optimal für mich, da ich zentral über dem Tretlager sitze und ordentlich Druck auf die Pedale geben kann. Generell ist die Geometrie des Vado SL der perfekte Mix aus Komfort und Dynamik. Mit einem Radstand von 1062 mm in der Rahmengröße S habe ich mich (trotz der für mich ungewohnten schmalen Reifen) selbst bei Geschwindigkeiten an die 40 km/h nie unwohl gefühlt – mit hoher Geschwindigkeit die gebogene Abfahrt der Rheinbrücke herunter: Laufruhe statt Nervosität.

Auch bei hoher Geschwindigkeit ist das Vado SL durch seine Geometrie extrem laufruhig und vermittelt Sicherheit….

Handling & Reaktion: Fahrverhalten als Sicherheitsfaktor im Stadtverkehr

Trotz allem ist das Vado SL genauso wendig, wie es aussieht: schnelle Richtungswechsel oder manövrieren bei niedrigen Geschwindigkeiten sind überhaupt kein Problem. Selbst wenn es darum geht, schnell zu reagieren, setzt das Bike alle Befehle des Fahrers schnell um.
Bewusst wurde mir dies, als auf der dritten Fahrt ein Auto aus einer Ausfahrt auf den Radweg fuhr. Der Asphalt war leicht nass vom Regen und während der Vollbremsung ist das Heck nach rechts ausgebrochen. Ein leichtes Lösen der Bremse und eine intuitive Gewichtsverlagerung reichten schon aus, um das Vado SL einzufangen und kontrolliert vor dem Auto zum Stehen zu bringen. Einzig meine Hände finden die Sitzposition auf dem Vado SL bereits auf den ersten Fahrten nicht optimal: Kribbeln und leichte Taubheitsgefühle stellen sich schnell ein, trotzdem die serienmäßigen Griffe über eine Handballenablage verfügen. Ich bin gespannt, ob sich das Vado-Hand-Verhältnis durch ein paar einfache Einstellungen verbessern lässt!

Specs & Daten: Specialized SL 1.1

Die ersten Fahrten sind auch die Gewöhnungsfahrten an das Antriebssystem, das von Specialized eine speziell an diesen Bike-Typen angepasste Steuerung (Software) erhalten hat. Ich fahre genauso wie es mir passt – Tests bezüglich Trittfrequenz und Akkuverbrauch dürfen später folgen.

Mit nur 1,9 Kg ist der Specialized SL 1.1 Motor einer der leichtesten Mittelmotoren auf dem Markt.
Wem die 320 Wh im Unterrohr trotz des geringen Verbrauchs nicht ausreichen, kann einen 160 Wh Zusatzakku in der Getränkehalter-Aufnahme befestigen.

Specialized SL 1.1: der beste e-Bike Antrieb für aktive Fahrer?

Ich fahre größtenteils in der ersten Unterstützungsstufe ECO – also mit 30 % der maximalen Motorkraft, lediglich auf dem Zubringer zur Rheinbrücke herauf gönne ich mir die volle Motorkraft im TURBO-Modus. An Verschnaufen ist überhaupt nicht zu denken, das Vado scheint mich anzuschreiben “weiter strampeln!”. Und so überhole ich Fahrradfahrer um Fahrradfahrer und jeder Meter, den ich gut mache, bestärkt mich immer weiter darin nicht nachzulassen – nicht langsamer zu werden und sowohl den Druck auf die Pedale als auch meine Trittfrequenz zu halten.
Als ich dann den ersten e-Bike mit etwa 27 km/h auf dem Radweg überhole, schüttet mein Körper eine Extraladung Endorphine aus. Die Wahl meines Pendlergefährts war goldrichtig: Mein perfektes Pendler e-Bike hat “ein Motorensystem mit geringem Tretwiderstand, immerhin will ich mich ja auspowern und fitter werden”. Kriterium erfüllt!

Fazit zum Vado SL, dem SL 1.1 und meiner ersten Pendler-Erfahrung

Nach einer Stunde und zwei Minuten komme ich zwar verschwitzt aber stolz und glücklich auf der Arbeit an und ernte gratulierende Sprüche von den Kollegen. Ich bin schneller als das Navi mir vorhergesagt hatte und etwa 15 Minuten zügiger als mit dem Auto oder mit der Bahn. Ich fühle mich toll und bin anders als erwartet den ganzen Tag über viel fitter (das Pendeln sollte auch meinem Geist gut tun – Kriterium ebenfalls erfüllt!). Das Energieloch, mit dem ich den ganzen Tag rechnete, blieb aus – ich war voller Tatendrang. Nur mein Hinterteil hat die erste Fahrt nicht ganz so gut überstanden wie mein Geist, ab da trage ich immer eine Polsterhose. Und eines nehme ich mir ganz fest vor: Die nächste Strecke fahre ich unter einer Stunde!

Die von Google Maps kalkulierte Zeit (oben) konnte ich unterbieten und kam am Ende auf 1 Stunde 2 Minuten Fahrzeit (unten: Mission Control App, Aufnahme der Fahrt)

Fahrdaten aus der Specialized Mission Control App:

  • mit einer durchschnittlichen Unterstützung von 21,28% (30% im ECO), sieht man deutlich wie einfach es ist, mit dem Vado SL über der 25 km/h Grenze zu fahren
  • mein Verbrauch: 570 Kilokalorien, Verbrauch Vado SL: 39 Wh (also 12% der Gesamtkapazität). Rechne ich meinen Energieverbrauch um in Wh, wäre ein 663 Wh Akku nötig gewesen
  • mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 21,67 km/h war ich 13 Minuten schneller als das Navi angezeigt hatte, im Umkehrschluss war ich im Schnitt um 3,77 km/h schneller.

Ob das Pendeln auch ein weiteres Ziel erfüllt, das Auto öfter stehen zu lassen, ob ich mich durchgängig motivieren kann, ob ich Gewicht verliere und ob meine Handgelenke weiter auf Kriegsfuß mit dem Vado SL stehen – das erzähle ich im nächsten Erfahrungsbericht.

Jenny

Jenny

...ist in ihrer Freizeit auf den schönsten e-MTB Trails anzutreffen.
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